Branchentreff im Mojo Club: What’s up, Hans?

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Die Musikbranche, was ist das eigentlich genau? Klar – alle, die in irgendeiner Form vom und im Popbusiness leben. Aber in erster Linie handelt es sich doch vor allem um: Menschen. Und einige von diesen kommen am Donnerstag im Mojo Club unter der Reeperbahn zum Branchentreff zusammen.

Geladen hat die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft, kurz IHM, in der sich rund 100 Unternehmen aus der Branche versammeln. Und die unter anderem die Music Business Summer School ausrichtet. „Hans Up!“ heißt die Veranstaltung an diesem Novemberabend. In Analogie zum Hamburger Musikpreis Hans, der 2018 nach neun Jahren pausiert. Die IHM möchte die Auszeichnung überdenken und für 2019 neu ausrichten.

Ein neuer Musikpreis für Hamburg

Alex Schulz, IHM-Vorstand und Chef des Reeperbahn Festivals, erläutert in einer kurzen Ansprache, dass das Netzwerk bis kommenden Sommer ein neues Konzept mit neuem Namen und neuem Programm für den Musikpreis erstellen möchte. Im Hamburger Abendblatt habe ich über die Hintergründe dieses Prozesses geschrieben.

Ich finde es gut, sich Zeit zu nehmen, um bisherige Muster zu reflektieren und nach anderen Wegen zu suchen. Gute Entwicklungen brauchen Gärphasen und Gespräche. Veränderungsprozesse müssen ein paar Schlaufen drehen dürfen, damit nicht zu Beginn das Ziel ohnehin schon fest steht. Und im Wandel sollten sich die Fenster ganz weit öffnen, damit frische Ideen hineinkommen. Wie wichtig eine Mischung aus Elan und Geduld, Fokus und Eigendynamik ist, merke ich verstärkt, seit ich mich vor einigen Monaten selbstständig gemacht habe.

Ist eine klassische Gala noch zeitgemäß?

In Bezug auf einen Musikpreis stellt sich unter anderem die Frage: Wie lässt sich die Wertschätzung für die Popkünstler der Stadt, für ihre Musik und ihre Teams in Zukunft gestalten? Ich bin äußerst gespannt, welche Ansätze sich die IHM überlegen wird.

Setzt eine solche Ehrung auf große Namen, auf Stars und Glamour? Oder beleuchtet die Auszeichnung eher die Vielfalt der hiesigen Szene? Ist eine klassische Gala mit Moderation, Laudatio und Trophäenüberreichung noch zeitgemäß? Oder sollte eine solche Veranstaltung viel mehr die Kommunikation ins Zentrum rücken? So wie beim Branchentreff im Mojo Club.

Herzlicher Respekt

Was mir an der Hamburger Popszene sehr gut gefällt, ist die Verlässlichkeit der Akteure. Das mag – etwa im Vergleich zum flirrenden fluktuierenden Berlin – mitunter provinziell erscheinen. Aber ich mag das familiäre Gefühl, Menschen zu begegnen, die ich zum Teil schon seit Jahren kenne. Mit denen ich gerne arbeite und spreche.

Die Bussi-Bussi-Botox-Quote und die Peinliche-Poser-Frequenz ist bei solch einem Branchentreff verschwindend gering. Und wer gerade nicht so gut miteinander kann, hat genügend Raum, um sich aus dem Weg zu gehen. Die anwesenden Akteure begegnen sich, soweit ich das überblicken kann, in der Regel mit professioneller Freundlichkeit und mit herzlichem Respekt bis hin zu freundschaftlicher Verbundenheit.

Branchentreff, Mojo Club, Hamburg, IHM, Hans, Musikpreis, Hans Up, Reeperbahn, Club, Event, Music, St. Pauli, gettogether, Biggy Pop, Blogger, Pop, JournalistBei manchen reicht es für eine kurze Umarmung, bis sie, er oder ich in andere Unterhaltungen driften. Manche sehe ich am anderen Ende des Saals und verliere sie aus den Augen. Mit anderen rede ich länger. Über anstehende Konzerte und Projekte. Über das vergangene Jahr und die aktuelle Stimmung. Über den Wandel im Journalismus und wie sich Musikevents nachhaltiger ausrichten lassen. Auch über Privates. Der eine ist gerade Vater geworden. Die andere bekommt ein Kind. Bei der nächsten ist die Tochter bereits aufgebrochen, um zu studieren.

Ein Branchentreff braucht Neuzugänge und Durchlässigkeit

Apropos Nachwuchs: So ein Branchentreff wirkt gerne einmal wie ein „closed shop“. Damit eine solche Sache nicht dauerhaft als selbstreferentielles System öde in und um sich kreist, braucht es dringend immer wieder Neuzugänge. Querdenkende Persönlichkeiten, junge Leute, andere Kulturen. Eine Durchlässigkeit.

Zudem vermisse ich an diesem Abend die Hamburger Musiker selbst. Mehr Mix ist gut, denke ich. Denn um die Popartisten und ihre Kunst geht es ja letztlich. Und zum Glück läuft tatsächlich auch Musik beim Branchentreff. Der überaus sympathische Byte-FM-Kollege, DJ und IHM-Mitarbeiter Norman Müller alias Digital Norman legt Electro, Funk, Kraut und Disco auf.

Nach einem solchen Abend schwirrt mir immer ein wenig der Kopf. Und ich überlege am nächsten Morgen, mit wem ich mich alles worüber unterhalten habe. Solch ein Branchentreff brauche ich definitiv nicht jede Woche. Aber ich bin dankbar um die Verbundenheit, die bei solchen Anlässen immer wieder entsteht. Wie gesagt: Es geht schließlich um die Menschen. Und im besten Fall um die gemeinsame Leidenschaft für Musik.

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