Die Höchste Eisenbahn: Pop und Pasta im Molotow

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Es gibt Bands, die strahlen eine große Wärme und Offenheit aus. Etwa, wenn sie singen: „Ich will das Leben / und ich will, dass es mich will“. Zu erleben ist das ganz konkret vor einigen Tagen im Molotow. Die Höchste Eisenbahn aus Berlin hat zum Konzert nach St. Pauli gebeten, um die Veröffentlichung ihres dritten Albums „Ich glaub dir alles“ zu feiern. 

Die Höchste Eisenbahn, Album, Tapete Records, Ich glaub dir alles, Pop, Release, concert, Molotow, Club, Hamburg, St. PauliNach einem vollen Tag hänge ich mit Hirn und Herz noch halb in Arbeitsdingen, als ich am Club ankomme. Der Hinterhof des Molotow dampft vom Regen. Und vom Nudelwasser. Denn Eisenbahner Francesco Wilking verteilt gemeinsam mit Schlagzeuger Max Schröder Pasta samt Soße an die Gäste. Moritz Krämer wiederum – wie Wilking Sänger, Gitarrist und Keyboarder der Band – schenkt Wein aus. Und Bassist Felix Weigt legt im DJ-Container beglückende Popsongs auf.

Die besten Partys finden in der Küche statt. Selbst wenn diese zwischen hohen Mauern auf dem Kiez improvisiert ist. Selbst wenn das Nudelwasser direkt über dem Gullideckel abgegossen wird. Womöglich gerade dann.

Humorvoll in ihren Ansagen, gastfreundlich in ihren Songs

Ein Ankommen in Musik. Gucken und Hallo. Umarmen und Gespräche. Gerade erst gesehen. Eine ganze Weile nicht gesprochen. Ging es neulich noch lange? Nächste Konzerte? Privates und Politik. Dies und das. Reichlich vertraute Gesichter. Und viele neue. Manche sind später in dem Video von Die Höchste Eisenbahn zu sehen, dass nebenbei in einer Ecke des Molotow-Hofs fotografiert wird. 

Die Höchste Eisenbahn, Album, Tapete Records, Ich glaub dir alles, PopWährend in der Küchenecke in Ermangelung weiterer Soße neue Nudelrezepte ausprobiert werden, spielt Die Höchste Eisenbahn ein etwa einstündiges Set. Humorvoll in ihren Ansagen ist die Band. Und gastfreundlich auch in ihren Songs, die eine umarmende Qualität haben.

Was mir bei der neuen Platte wieder super gefällt, ist der ganz eigene Blick auf das, was man Lebenswirklichkeit nennt: irgendwie quer draufgeschaut, mit kluger Leichtigkeit, zudem mit beiläufiger Nonchalance besungen. Die Songs sind im allerbesten Sinne catchy, verspielt, poppig. Rote Luftballons und kleine fiese Monster. Hallo Welt. Hallo Harmonie.

Die Höchste Eisenbahn fabriziert eine Art smarte Disco

Besonders eindrücklich ist mir von diesem Konzert das Stück „Kinder der Angst“ im Kopf geblieben. 80er-Keyboard-Drive, treibender Beat, akzentuiert beschwingte Gitarren, Handclap-Charme und euphorischer Wechselgesang. „Ich sing so lange, bis ihr mich alle liebt“, verkünden Wilking und Krämer. Alles geht so beherzt nach vorne, dass die dunkel dräuenden Wolken am Himmel kurz rosarot erscheinen. Die Höchste Eisenbahn fabriziert eine Art smarte Disco, in der die Angst und die Liebe gemeinsam feiern dürfen. 

Die Höchste Eisenbahn sind Moritz Krämer (Gesang, Texte, Gitarre, Klavier/Synthies), Francesco Wilking (Gesang, Texte, Gitarre, Klavier/Synthies), Felix Weigt (Bass, Klavier/Synthies, Klanglabor), Max Schröder (Schlagzeug, Percussion)
Die Höchste Eisenbahn sind (v.l.) Moritz Krämer (Gesang, Texte, Gitarre, Klavier/Synthies), Felix Weigt (Bass, Klavier/Synthies, Klanglabor), Max Schröder (Schlagzeug, Percussion) und Francesco Wilking (Gesang, Texte, Gitarre, Klavier/Synthies). Fotografiert von Joachim Gern.

Produziert hat das neue Album Moses Schneider (u.a. Annenmaykanntereit, Tocotronic, Dendemann). Erschienen ist es beim Hamburger Label Tapete Records, wo vor zehn Jahren mit „Jedes Tier“ auch das bisher letzte Studioalbum von Wilkings Band Tele erschien. Die Popband kenne ich noch aus ihrer Freiburger Zeit, wo sie sich Anfang der Nuller-Jahre gründete. 

Ich liebe es sehr, wenn bestimmte Stimmen zu Lebensbegleitern werden. Und wenn sich dieser Sound immer wieder wandelt und in neuen Kontexten erscheint. So spannt sich ein popkultureller Bogen von der Vergangenheit bis in die Zukunft, in dem sich die eigene Biografie widerspiegelt. Ein musikalischer Halt. Und ein Aufbruch mit jedem neuen Song. 

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