Das neue Album von Rhonda – Soundtrack fürs reisende Herz

Ich fahre mit dem Zug von einem Termin in Berlin zurück nach Hamburg und höre das neue Album von Rhonda. Kurz bevor ich die Musik anschalte, frage ich mich, ob sich die Songs überhaupt für eine Zugfahrt eignen. Mit Rhonda assoziiere ich vorwiegend Soul und Sixties-Sound. Und mit diesen Genres verbinde ich verstärkt die Tanzfläche.

Doch auf der Strecke zwischen Hauptstadt und Altona sitzt mein Körper still. Ich werde bewegt. Und meine Gedanken wandern durch vorbei wischende Bäume und über dämmernde Felder. Sie bleiben kurz hängen an satt ruhenden Höfen, um dann weiter- und fortgerissen zu werden. Hinter all diesen Fenstern leben Menschen, du hast es immer geahnt.

Rhonda schweift mit mir durch das Panorama

Und höre da: Das neue, nun mehr dritte Rhonda-Album eignet sich hervorragend als Zugfahrmusik. Um dieses Transitgefühl zu begleiten. Bereits der Titel der Platte, die am Freitag beim Hamburger Label Popup Records erscheint, passt sehr gut zum Unterwegssein: „You Could Be Home Now“. Ich könnte zuhause sein. Bin es aber nicht. Der Tag geht zur Neige. Und die Dunkelheit draußen verwandelt die Natur in Schattenrisse. Nur ein paar Windradlichter blinken rot in der Ferne. Sonst ist alles Schwarz, Grün, Grau der Nacht zugeneigt.

Rhonda schweift mit mir durch dieses Panorama. Mit einer Musik, die rau ist und hypnotisch. Die die Melancholie mit warmer Stimme nährt. Und die mit schroffer Intensität langsam in die Seele kriecht.

Desperado-Soul, Americana-Punk, Rock ‘n’ Roll für Drifter und Denker

Lange wirkte Rhonda komplett in Hamburg. Bis Sängerin Milo Milone nach Los Angeles zog. Sofort male ich mir aus, wie sie bei Ausflügen in die Wüstenregionen der USA die Inspiration für „You Could Be Home Now“ fand.

Band, Rhonda, Album, „You Could Be Home Now“, Label, Popup Records, Pop in Hamburg, Pop, Hamburg, Los Angeles, Milo Milone, Ben Shadow, Soul, Rock, Americana, PopDie zwölf Songs lassen sich auch als Desperado-Soul, als Americana-Punk oder als Rock ‘n’ Roll für Drifter und Denker bezeichnen. Die Gitarren suchen Staub aufwirbelnd die Weite. Schlagzeug und Bass spielen in cooler Entschleunigung. Und Milo Milone eröffnet mit ihrem Gesang eine lässige Tiefe.

In einem Song wie „Baby“ kommt die laszive Kraft ihrer Stimme besonders stark zum Ausdruck. Während das Titelstück „You Could Be Home Now“ wie ein geheimnisvoller Bossa Nova brodelt. Mehr gospelreiches Licht dringt in „Why We Stay“ in die Landschaft. Und „Best I Ever Had“ wiederum ist ein Walzer, der aufs Schönste vom Dreck der Straße überzogen scheint.

Eine Garage in Los Angeles

Rhonda macht auf Album Nummer drei Musik für Sehnsüchtige. Für all jene, die wissen, dass Suchen nicht zwangsläufig auch Finden bedeutet. Ein Soundtrack für das reisende Herz, das in uns allen wohnt. Das wie jeder gut genutzte Koffer bereits einige Macken und Schrammen besitzt. Und das dennoch einfach weiter schlägt.

In der Presseinfo zur Platte von Rhonda lese ich, dass alle Vocals in der Garage von Milo Milone in Los Angeles aufgenommen wurden. „Mit offener Türe nach draußen.“ Ein schönes Bild. Alles kann hinein, kann hinaus. Die Freiheit beginnt genau an dieser Schwelle. Und wir fragen uns: Wohin geht die nächste Fahrt?

Rhonda live in Hamburg: 2. Februar, Mojo Club

Biggy Pop empfiehlt:
„Sowas von egal“ (Sampler, bureau b)
Tusq: „The Great Acceleration” (Oktober Promotion)
Poems For Jamiro: „Human” (Schwesterherz)
Neonschwarz: „Clash“ (Audiolith Records)
Patrick Siegfried Zimmer: „Memories I – X“ (PSZ Recordings)

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