Ein Jahr Biggy Pop Blog über Musik in Hamburg — und darüber hinaus

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Vor einem Jahr habe ich als Biggy Pop diesen Blog über Popmusik in Hamburg begonnen. Nicht auf den Tag genau. Aber mit dem selben Gefühl. Denn wieder liegt — wie Anfang August 2018 — ein Festivalwochenende hinter mir. Und in dieser Stimmung aus Glück und Erschöpfung habe ich angefangen zu schreiben, meine Stimme auszuprobieren, mich freizutexten. Mal poetisch, mal analytisch. Aber immer mit dem Bewusstsein, dass Musik nicht schlicht ein Markt ist, sondern vor allem ein Motor. Zeit also für ein Resümee.

Besonders freut es mich, wenn ich mit dem Blog zu Diskussionen anregen kann, wie etwa mit meinem Fazit zum Reeperbahn Festival. Oder wenn Leserinnen und Leser neue Musik über meine Artikel entdecken, zum Beispiel Alben von Patrick Siegfried Zimmer oder Sarajane. Manche Blog-Formate wie „Biggy Pop — Take Five“ habe ich nicht so konsequent weitergeführt, wie ich es mir vorgenommen hatte. Das liegt vor allem daran, dass ich parallel zum Blog meine Selbstständigkeit als Journalistin, Moderatorin und Texterin aufgebaut habe.

Das Netzwerk hält, trägt, unterstützt

Immer und immer wieder habe ich die viel zitierte Komfortzone verlassen.  Mitunter musste ich mich ob all der neuen Eindrücke einfach flach hinlegen und in die Luft gucken, um alles sacken zu lassen. Was ich aber vor allem erfahren durfte: Das Netzwerk hält, trägt, unterstützt — und öffnet sich. 

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Ich habe schon lange nicht mehr so viele Menschen kennengelernt und so intensiv über Zweifel, Fehler, Erfahrungen, Lernen, Lebenspläne, Mut, Motivation, Haltung, Wünsche, Weitermachen, Ideen und — ja  — Visionen geredet wie in den vergangenen zwölf Monaten. Vor allem aber habe ich gelernt, dass das Anpacken, Machen und Tun die beste Möglichkeit ist, um mit Unsicherheiten umzugehen und eine positive Dynamik in Gang zu setzen. Ein Flow, der mich in ungeahnte Gefilde getragen hat. Als ich vor einem Jahr gestartet bin, wäre ich zum Beispiel nicht im Traum darauf gekommen, dass ich im Frühjahr in Brüssel sitze und junge Bands für den Blog interviewe.

Im Blog neugierig bleiben  laut, leise und mit Zwischentönen

Musik ist bei all diesen Entwicklungen ein steter Begleiter. Zum Beispiel die Alben, zu denen ich bevorzugt schreibe, allen voran „Carrie & Lowell“ von Sufjan Stevens. Songs, die mich fein fokussieren. Bei Konzerten wiederum, wenn der Sound jede Faser durchdringt,  ist der Effekt unmittelbarer. Alles Verspannte scheint aus dem Körper gedrückt zu werden. Livemusik ist die Erlaubnis, alles fühlen zu dürfen. Mit anderen. Wie jetzt mit dem von mir hoch geschätzten Soulsänger Lee Fields und seiner Band The Expressions beim A Summer’s Tale-Festival. Er presst den Schmerz heraus und lässt Liebe regnen.

Wacken Open Air, Wacken 2019, Festival ground, Festival, Holy land, Open Air, Metal, Music, Biggy Pop, Blog, stageIch bin zutiefst überzeugt: Musik verbindet. All die Leute, die beherzt in der Popbranche arbeiten. Und all die Fans, für die es der größte Luxus ist, im Staub vor einer Bühne zu stehen oder im Club zu schwitzen. Für mich ist das nicht bloß eine Romantisierung von Zuständen. Nicht bloß Eskapismus. 

Wacken Open Air, Wacken 2019, Festival ground, Festival, Holy land, Open Air, Metal, Music, Biggy Pop, Blog, stage, Oll InklusivPopkultur kennt kein Alter. Das merke ich immer wieder, wenn ich in Hamburg für Oll Inklusiv unterwegs bin. Die gemeinnützige Initiative bringt Menschen 60 plus in die Clubs der Stadt, auf Konzerte und Festivals. Was nach außen hin schlichtweg wie eine lustige Seniorenparty aussieht, hat einen ernsteren Hintergrund: Einige dieser tollen ollen Leute können sich Veranstaltungstickets nicht leisten oder ihnen fehlt der Schwung, um alleine auszugehen. Die Musik jedoch schafft eine kollektive Energie, die anfängliche Ängste ins Gegenteil umkehrt. 

Freitag besuchten wir mit einer Gruppe innerlich höchst junger Senioritas das Wacken Open Air. Und kaum auf dem Gelände angekommen, plauderten die Ladys mit den wildest aussehenden Typen, posierten mit coolen Metallerinnen für Selfies und nickten eifrig zu den vehementen Klängen von Eluveitie, Black Stone Cherry und Jared James Nichols. Eine Leichtigkeit und Narrenfreiheit, die ich äußerst erstrebenswert finde. So möchte ich alt werden (und auch diesen Blog schreiben): neugierig und offen, laut und leise — und mit allen Zwischentönen.

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Calexico und Iron & Wine im Stadtpark — vertraute Leichtigkeit

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„A lover to slow you down“. Von einem Liebhaber, der die Geschwindigkeit aus dem eigenen Leben nimmt, erzählen Calexico und Iron & Wine bei ihrem Konzert im Hamburger Stadtpark. Und der Lover ist an diesem Abend definitiv die Musik. Mit „Years To Burn“ haben die beiden Bands zum zweiten Mal ein Kooperationsalbum veröffentlicht, dass die Seele entschleunigt. Fein schattierter Folkpop und Country, der sanft den grünen Hügel emporweht.   

Die Blätter der alten Bäume rascheln hoch oben zum mehrstimmigen Gesang. Der Sound ist nah und der Himmel weit. Die Musik lässt den Kopf zur Ruhe kommen, so dass sich das Herz öffnet für Neues. „A night to be born“ — dieser Vers aus dem Titelstück „Years To Burn“ verdichtet das Gefühl schon äußerst gut. Musik, die kurz die Zeit aufzuheben scheint. Die dankbar macht. Für die Verbundenheit im Leben, die die Musik immer wieder herstellt.

Calexico und Iron & Wine, eine nicht krampfhaft forcierte Freundschaft

Ich schaue auf die Freunde, die auf der Wiese um mich herumstehen. Manche kenne ich seit Jahrzehnten, andere noch nicht ganz so lange, einige lernen sich an diesem Abend erst kennen. Alle holen einander Getränke, reden kurz kreuz und quer, lauschen dann wieder lange versonnen ohne zu sprechen der Band. Einzelne wechseln zwischendurch die Perspektive, flanieren durch die bunt gemischte Freiluftmenge und erkunden den neu gestalteten Gastrobereich, um dann irgendwann zur Gruppe zurückzukehren. Eine vertraute Leichtigkeit. 

Calexico, Iron & Wine, Stadtpark, Hamburg, Germany, Open Air, concert, Years To Burn, Album, Folk, Pop, Country, TreesWomöglich fällt mir diese entspannte zwischenmenschliche Chemie an diesem Abend besonders auf, weil sich das Wirken auf der Bühne so organisch anfühlt. Da spielen nicht einfach zwei Bands zufällig aus Coolness-Gründen zusammen. Da ist eine über Jahre gewachsene, aber auch nicht krampfhaft forcierte Freundschaft zu hören. 2005 erschien die erste gemeinsame EP von Calexico und Iron & Wine: „In The Reins“. Seitdem verfolgten beide Gruppen ihre Wege, bis diese Jahre später wieder zusammenliefen.

Joey Burns und Sam Bean im Song-Ping-Pong

Eine zwanglose Liaison, die wohl erheblich beiträgt zur trockenhumorigen Lässigkeit, die die Musiker in ihren Ansagen transportieren. Als das Konzert um kurz vor acht beginnt, wird das Publikum erst einmal mit „good afternoon“ begrüßt. Es sei schon merkwürdig, so mitten am Tag aufzutreten, wenn es noch hell sei. Nun gut, andere nennen das einfach: Sommer. 

Calexico, Iron & Wine, Stadtpark, Open Air, concert, Years To Burn, Album, Folk, Pop, Country, TreesMalerisch hingetupfte Country-Nummern wie „Father Mountain“ wechseln sich an diesem Abend ab mit jazzigen Improvisationen, bei denen sich vor allem Sebastian Steinberg am Kontrabass famos zupfend und trommelnd auslebt. Viel gut dosierte Dynamik erzeugen auch Schlagzeuger John Convertino sowie Rob Burger, der sich vom Keyboard zum Akkordeon und zurück bewegt. Mal rückt — unterstützt von Trompeter Jacob Valenzuela — der Mariachi-Calexico-Anteil in den Vordergrund. Doch vor allem als die beiden Masterminds der Bands eine Weile alleine an der Rampe agieren, schimmert verstärkt der leisetretende Sound von Iron & Wine durch. 

Im munteren Ping-Pong haben Calexicos Joey Burns sowie Sam Bean (Iron & Wine) Songs des jeweils anderen ausgesucht, die ihnen besonders gut gefallen. Gegen Ende spielen sie mit der gesamten Band weitere gemeinsame Nummern, etwa „In Your Own Time“ mit der schönen Zeile „Someone will catch you if you want to fall“. Alles im eigenen Tempo machen. Und dann aufgefangen werden, wenn ich fallen möchte. Von der Musik. Von Freunden. Das ist schon ziemlich toll.

PS: Einen schönen Eindruck von der Kollaboration zwischen Calexico und Iron & Wine vermittelt das aktuelle Tiny Desk Concerts.

Und: Für das Magazin Visions habe ich eine Plattenkritik zu „Years To Burn“ geschrieben.

Mehr Lesestoff für Freiluftfans:

Hurricane Festival 2019 — sunday I’m in love

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Tanju alias Tan LeRacoon: Polit-Songs mit Soul

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Es existieren in der Hamburger Musikszene extrem viele Menschen, die tragen keine klangvollen Namen wie Deichkind oder Ina Müller. Doch sie durchziehen das hiesige Popleben derart fein verästelt, dass sie den gesamten Grund zusammenhalten. Ein weit verzweigtes Wurzelwerk, das nicht nur den Baum mit Energie versorgt, sondern auch mit dem gesamten Mutterboden kommuniziert. Mit dem Humus. Eine solche Persönlichkeit ist für mich Tanju Boerue alias Tan LeRacoon.

Kennengelernt haben wir uns, als Tanju von 2004 bis 2016 gemeinsam mit Anja Büchel die hinreißende Hasenschaukel an der Silbersackstraße betrieb. Ein wildes und warm leuchtendes Wunderland mit skurrilem Retro-Charme. In einer Mischung aus Euphorie, Geduld und Improvisation boten Anja und Tanju damals noch unbekannten Künstlern wie Gisbert zu Knyphausen eine Bühne. Und mit meinem Radiokollektiv Das Draht durfte ich mich erstmals beim öffentlichen Auflegen ausprobieren. Unglaublich familiäre Partys waren das in diesem freigeistigen Labor auf St. Pauli.

Tanju, Timothy Leary und The Slits

Seit Jahren arbeitet Tanju als Musikmanager und Tourbegleiter — und verantwortet die Produktion beim Reeperbahn Festival. Ein professionalisierter „Do it yourself“-Typ mit offener Freundlichkeit. Und ein Mensch, der von Musik durchdrungen ist. Der sich Popgeschichte nicht bloß angelesen, sondern sie mitgeschrieben hat: Im London der 80er-Jahre Punk-Fanzines machen. Im Umfeld des New Yorker Chelsea Hotels in Bands spielen. Mit Hippieguru Timothy Leary in L.A. leben. Die formidable Feministin Ari Up von The Slits als Komplize begleiten. Ein historisches Fabelwesen, das im Hintergrund funkelt.

Tanju Boerue, Tan LeRacoon, album, record, cover, artwork, Funeral Parade Of Roses, musician, Hamburg, The Slits, Reeperbahn Festival, TourmanagerAll diese Erfahrungen lässt Tanju als Tan LeRacoon in seine eigene Musik einfließen. Sein Alter Ego gefällt mir sehr gut, sind Racoons, also Waschbären, doch nicht nur gewitzte, sondern auch gesellige Tiere. Auf Wikipedia findet sich unter anderem folgende Beschreibung: „Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit ist es dem Kulturfolger Waschbär gelungen, urbane Gebiete als Lebensraum zu nutzen.“ Solch ein „verstädterter Waschbär“ ist Tan LeRacoon definitiv. In den Clubs und Kaschemmen nach Nahrung suchend. 

Neues Album „Funeral Parade Of Roses“

2016 veröffentlichte Tanju mit „Dangerously Close To Love“ ein rau knisterndes Folk-Pop-Album. Nun ist mit „Funeral Parade Of Roses“ beim Hamburger Label Légère Recordings seine neue Platte erschienen, die sich stilistisch noch weiter öffnet. Das Spektrum reicht von dunkel nachhallenden Aufnahmen in Bedroom-Atmosphäre über enorm tanzbaren Beat und Soul bis hin zu verzerrtem Post-Punk. 

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Tan LeRacoon, fotografiert von Casa De Chrisso (ebenso das Titelbild)

Tanju erzählt von persönlichen Dämonen, von Aufbruch und Heilung. Anekdotische Blitzlichter flackern auf, an unterschiedlichen Orten rund um den Globus — von Birmingham bis nach New York. Vor allem aber ist sein Album ein wütendes, ein politisches. Die Gitarre bleibt nicht im Folk-Modus, die Bläser setzen nicht bloß gefällige Akzente. Bereits im Opener „Your Own Way“ steigert sich der Sound von etwas Intimem zu einer brodelnden Dringlichkeit. In dem Signature-Song „Tanuki Is Back“ rauscht Tanju mit taumelndem Gesang hinein in satten Soul-Punk. Und mit „I.G.S.“ liefert er einen beschwingten Hand-Clap-Protestsong.

Entfesselter Kapitalismus. Menschen, die in die Flucht getrieben werden. Das Erstarken der Rechten. Sexismus und Homophobie. Krieg und Lügen. Das Verharren in Filterblasen und Komfortzonen. Tanju verhandelt diese Themen in seiner Poesie zwischen somnambulem Fiebertraum und blankem Entsetzen, sucht jedoch letztlich optimistisch nach Lösungen.

Crooner der Zwischentöne

Über seine Motivation sagt er: „Aktiv zu sein, bedeutet ja nicht, schlecht gelaunt durch die Welt zu laufen. Wir können nur Menschen erreichen, wenn wir ihnen Alternativen bieten. Ich versuche meine Anliegen im Dialog zu vermitteln – so schwer das manchmal auch fällt. Es nützt nichts, nur eine Klientel anzusprechen, von der du weißt, dass sie eh deiner Meinung ist.“ 

Um die Bandbreite zwischen ernsten Texten und oftmals gut gelaunter Musik zu realisieren, hat Tanju eine feine Allstar-Band um sich geschart: Linus Lindvall (Golden Kanine), Jens Fricke (Staring Girl, „Gundermann“-Film, Gisbert zu Knyphausen), Dino Joubert und Caroline Blomqvist (MinRu), Felix Roll (Torpus & The Art Directors), Gabor Bertholini (Golden Kanine, The Great Bertholinis), Mattias Larson (Cub & Wolf), Robert Weitkämper (Dr. Ring-Ding, Staring Girl) sowie die Bläser-Sektion von Diazpora. Produziert hat Tanju das Album in Eigenregie, gemischt wurde „Funeral Parade Of Roses“ von Gregor Hennig im Studio Nord in Bremen.

Besonders interessant finde ich die Nummer „Battle Is Over, War Isn’t Won“. Ein geheimnisvoll-verschlepptes Reggae-Stück, in dem Tanju uns in einer Spoken-Word-Performance seine Sicht auf die Lage der Welt einflüstert — und damit auch seine Fragen und Zweifel, seine Überforderung und Erschöpfung. Ein Crooner der Zwischentöne. Ein musikalischer Aktivist.

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Hurricane Festival 2019 — sunday I’m in love

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Auf Festivals gibt es häufig diesen einen Moment, der mich besonders berührt. Der mich  tiefer packt und zugleich leichter macht. Inmitten all des schönen Irrsinns auf freiem Feld mit Musik und Menschen. Beim diesjährigen Hurricane ereignet sich dieser Popglückaugenblick bei der Show von Christine and the Queens. 

Mit Freunden fahre ich nur für den Sonntag als Tagesgast zum alten staubigen Eichenring im norddeutschen Scheeßel. 1998 war ich das erste Mal beim Hurricane. Ich erinnere mich an Tocotronic und Pulp bei brütender Hitze. Die Feuerwehr duschte die Menge gegen den Hitzschlag. Und Jarvis Cocker verlor beim Tanzen auf der Bühne seine Schlappen. Seitdem hat sich das Open Air aufgepumpt. Mit fünf Bühnen, Riesenrad, Supermarkt, Sponsorenpräsenz und Gastroboom sowie 68.000 Gästen in diesem Jahr.

Sookee: bester Flow mit Message

Ein kommerzielles Grundrauschen, mit dem ich mich versöhne, sobald ich als ersten Act des Tages eine Künstlerin wie Sookee erleben kann. Gut gelaunt und im besten Flow haut diese Berliner Rapperin ihre bunten, queeren, antirassistischen Songs hinaus. Und als sie dann mit der wunderbar glitzernden Saskia Lavaux von Schrottgrenze „Hengstin“ von Jennifer Rostock im Remix singt, bin ich sofort drin im positiv aufgeladenen Festivalfeeling. 

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Viel Kritik hatte das Hurricane im Vorfeld eingesackt, nachdem bei der ersten Ankündigungsrunde für 2019 keine einzige Frau auftauchte. Das wirkte tatsächlich extrem piefig in Zeiten, in denen etwa das Primavera Festival in Barcelona ein tolles paritätisches Line-up hinbekommt. Doch der Veranstalter FKP Scorpio zog nach und hob diverse coole Ladys ins Programm. Darunter auch Grossstadtgeflüster, ebenfalls Ur-Berliner Gewächse.

Großstadtgeflüster: Out-of-bed-Boombox

Sängerin Jen Bender amüsiert uns hochgradig mit ihrer entspannten Out-of-bed-Attitüde. Eine lässig groovende Boombox in Batikshirt und Schlabberhose, die die Selbstironie mit großen Löffeln gefrühstückt hat. Ihr Electrorap fährt uns zusammen mit der Hitze dieses Sommertages in die Körper und macht alles shake shake shake. 

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Derart rhythmisiert ziehen wir mitten hinein in den Cloudrap und Ballerhiphop von Yung Hurn aus Wien. Fluffige Wolken hängen auf der Bühne. Und seine Stimme in selbigen. Watteweich verzerrter Gesang untermalt eine Show zwischen Machopose und Proletentum, Kitsch und Gaga, Trap und Schmäh. Muss ich nochmal drüber nachdenken, über das Ganze. Die Kids jedenfalls singen jede Silbe mit, während sie sich Wasser über die glühenden Köpfe kippen. Ich gehe an eine der vielen kostenlosen Trinkstellen und tue es ihnen gleich. 

Hurricane Festival: Das Ich von der Leine lassen

Festival heißt auch, sich den Gegebenheiten hinzugeben. Es bedeutet, Pommes mit sehr viel Soße zu essen. Ein Bier in der Sonne zu trinken und zu fühlen, es seien fünf. Und sich an den anderen Gästen zu erfreuen. An den absent Tanzenden und den im Schatten Dösenden. An den harten Kuttenträger, die sich mit Glitzer schminken. Und an den Mädelscliquen mit den Eddingtattoos. Sich ausprobieren. Das Ich von der Leine lassen. Freundschaft feiern. 

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Das mit dem Partymachen etwas zu streng genommen hat für meinen Geschmack Mike Skinner von The Streets. Ja, lieber Mike, wir alle lieben Dein Debütalbum „Original Pirate Material“ und sind Anfang der Nuller-Jahre hart dazu abgegangen. Aber den gesamten Auftritt beim Hurricane auf eine immer wieder angekündigte Minute zu reduzieren, bei der dann alle kollektiv ausrasten sollen, erschöpft sich als Running Gag dann doch ziemlich schnell. Der Schnellsprech war fresh wie eh und je. Da braucht es diesen sabbeligen Sprung in der Platte doch gar nicht. 

Wolfmother: wilde Locken aus der Ferne

Zur Erholung setzen wir uns bei den australischen Hardrockern von Wolfmother auf die verdorrte Wiese inmitten des Hurricane. Ein feines Durchpusten ist das. In der Ferne sehen wir die wilden Locken von Sänger und Gitarrist Andrew Stockdale auf der Leinwand schwingen. Das wenig druckvolle Konzert der Pathosrocker Interpol wiederum lassen wir von weitem vorüberziehen. Nicht alles hat immer Spannung. Und nicht jeder Sound passt in gleißendes Licht. 

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Was ich beim Hurricane jedoch völlig fasziniert aufsauge, ist — wie bereits erwähnt — die Show von Christine and the Queens. Über ein Porträt im Zeit-Magazin bin ich im vergangenen Herbst so richtig auf die Sängerin aufmerksam geworden. Der Artikel zitiert sie mit dieser hübschen Selbstauskunft: „Ich habe das Gesicht eines jungen Skateboarders, der gerade in die Stadt hineinrast und ein Bier zwischen seinen Fingerspitzen hält.” Großartig.

In ihrer Heimat Frankreich füllt Christine and the Queens Arenen. Beim Hurricane kann ich problemlos in die vorderen Reihen laufen. Interessant, wie sich ein Superstar wenige Hundert Kilometer vom Mutterland entfernt dann wieder ganz neu beweisen muss. Und das tut Héloïse Letissier alias Christine alias Chris dann auch. 

Christine and the Queens: Grenzen verwischen

Zu einem Mix aus 80s- und Electropop, Chanson und Funk liefert sie eine hoch konzentrierte wie unglaublich poetische Performance. Begleitet von einer knackig aufspielenden Band sowie sechs Tänzerinnen und Tänzern erschafft sie ein mitreißendes Musikdrama. Sie erzählt von einem Jungen, der Beyonce sein möchte. Sie inszeniert sich selbst als Mann, ist Michael Jackson und David Bowie. Sie singt von dem Gefühl, ein Freak zu sein. Hinaus zu wollen. Sich auszudrücken. 

Hurricane, Festival, Open Air, Music, Live, concerts, Christine And The Queens, The Cure, Sookee, Pop, Rap, Wave, RockIhre Songs und Choreographien verwischen Grenzen und offenbaren die menschliche Natur. Von verletzlich bis aggressiv. Christine selbst — klein, drahtig, geschmeidig, kurzhaarig, schmalbrüstig, ernst, breit grinsend, sexy, spröde — ist das Kraftzentrum inmitten dieses rhythmischen Panoramas. Der Tanz besitzt eine grandiose Dynamik: Synchrone Gruppenbilder, die immer wieder aufbrechen in individuelle Bahnen. Die Akteure vollführen kleine Szenen von Anziehung und Abstoßen, von Taumeln und Erhebung.

Besonders berührend verdichtet sich diese wunderbar vielschichtige Atmosphäre in dem Hit „Five Dollars“ mit seinem hymnischem Aufbau. Glitzernde Fontänen schießen in die Höhe. Christines Stimme schwingt sich empor, während die Sonne langsam untergeht. Die Haut kühlt sich ab, das Herz füllt sich auf. Ein Moment, in dem sich der eigene Körper mit Sound und Situation komplett verbindet. Alles ist aufgelöst. Alles ist eins. Das kann nur Livemusik. Eine Energie, die für dieses verklärte Strahlen in dreckverschmierten Gesichtern sorgt. 

The Cure: Besuch der alten Dame

Aufgeladen von dieser neuen Liebe laufe ich zur nächsten Bühne, um eine alte zu betrachten: The Cure. Robert Smith wirkt wie die freundliche schrullige Tante, die schon lange nicht mehr zu Besuch war. Die aber immer noch die besten Geschichten zu erzählen hat. Das Make-up ist dick und verschmiert aufgetragen. Ein paar Ketten baumeln exzentrisch um den Hals. Und wie sie sich freut, die Tante, die gesamte Sippe zu sehen. Und umgekehrt. Bestens bei Stimme beglückt uns Robert Smith mit seiner Band mit seinen nocturn verhangenen Smashhits: „Lullaby“, „Friday I’m In Love“, „Close To Me“, „Boys Don’t Cry“. 

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Gegen derart viel Glückseligkeit können die Foo Fighters als Headliner des Hurricane dann nicht mehr anballern. Wir winken Dave Grohl zu, während wir gen Ausgang laufen. Der Pop-Akku ist bis zum Rand gefüllt. Und wir tragen den schönen Schmutz des Festivals nachhause. 

Tolle Fotos vom Hurricane 2019 gibt es bei Sebastian Madej zu sehen.

Biggy Pop beim Watt En Schlick Fest 2018. Oder: Wie alles begann

Denn davon handeln wir

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Newcomerpreis verliehen: fünf Mal Krach+Getöse

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Die Stimme von Moses Schneider kommt vom Band. Aus dem Off können die Anwesenden im Kiez-Club Häkken lauschen, wie der Produzent all die Emotionen schildert, die er hatte, als er diesen einen Song das erste Mal hörte. Der raue Druck, der ihn von Anfang gepackt hat. Die bange Frage, ob die Musik ihn weiter mitnimmt. Die Euphorie, als die Energie anhält. Und die Enttäuschung, dass das Stück nach gerade einmal zwei Minuten abrupt endet. 

„Ich biete Euch an, die zweite Hälfte des Songs mit Euch zu produzieren“, erklärt der akustische Schneider dann noch. Eine feine Offerte von jemandem, der immerhin für so tolle Alben wie „Pure Vernunft darf niemals siegen“ von Tocotronic oder „DMD KIU LIDT“ von Ja, Panik verantwortlich zeichnet. Und genau darum geht beim Hamburger Nachwuchspreis Krach+Getöse, zu dessen Jury Moses Schneider dieses Jahr zählte: Die Hamburger Popinstitution RockCity bringt blitzgescheite und unbedingt offene Musikprofis in Kontakt und Komplizenschaft mit jenen, deren Kunst gerade erst hochkocht. 

Krach+Getöse, Professionalisierungsinterface für Musik aus Hamburg

Ein Jahr lang werden fünf Bands aus der Hansestadt bei Krach+Getöse gedreht und gewendet, gecoacht und gepusht. Sie erhalten Festival-Spots und Studio-Slots, Liebe, Know-how — und jeweils 1200 Euro Preisgeld. Auf dass sie dann bald bei möglichst vielen Hörerinnen und Hörern die von Moses Schneider beschriebenen Gefühlsschübe auslösen können. Auf dass sie in uns nachhallen und uns amüsieren, irritieren, verwandeln.

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Gekürte, Jury und RockCity-Team im Häkken, fotografiert von Tim Rosenbohm (ebenso Titelbild von Summer & the Giantess)

„Ob Haiyti, Ilgen-Nur, Tonbandgerät, FUCK ART, LET‘S DANCE! oder Sarah and Julian – Krach+Getöse ist das Professionalisierungsinterface für junge Musik aus Hamburg. Wir finden die Trüffel und alle helfen mit“, formuliert es RockCity-Chefin Andrea Rothaug. Im elften Jahr verleiht sie mit ihrem Team in einer Kombipackung aus Award-Show und Presse-Konferenz diesen praxisorientierten Preis — unterstützt von der Haspa-Musikstiftung. Krach+Getöse ist für mich im besten Sinne ein kreativer Hochofen, der immer wieder für glühende Popherzen sorgt.

Summer & the Giantess: Auftakt für eine divers klingende Gewinnerriege

„Das sind meine Gewinner“, wusste Krach+Getöse-Juror Moses Schneider jedenfalls sofort. Eine intuitive Klarheit, die sich mit warmer Wucht im Bauch ballt, wenn Musik einen unmittelbar anspricht, erwischt, lodern lässt. Der Sound, der Schneider begeisterte, stammt von dem Hamburger Trio Summer & the Giantess. Da ich selbst die meisten Menschen mit meiner Körpergröße überrage, bin ich natürlich schwer angetan von dem Bandnamen. Und tatsächlich betritt da eine hochgeschossene Lady mit dunklem Flair flankiert von zwei coolen Typen die Bühne. Das ganze Ensemble schreit: We are a fucking band. Fantastisch. Zwischen Alternative Rock und New Wave changiert ihr Sound.

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Gewinnerin Deine Cousine und Jurorin Malonda, fotografiert von Tim Rosenbohm

Summer & the Giantess bilden im Häkken an diesem Mittwochmittag den Auftakt für eine hübsch divers klingende Gewinnerriege bei Krach+Getöse. Als da wären: Deep brodelnder Rap und RnB von Edwin Hosoomel, Juvil mit einem smarten Mix aus Electropop und Hiphop, merkwürdig umwerfender Hiphop von Spnnnk und Empowerment-Rock von Deine Cousine.

Sause mit Klassentreffenatmosphäre

Mit Herz und Hirn belobigt werden die Gekürten von weiteren Jurymitgliedern — von Ole Specht (Tonbandgerät), Sängerin Malonda, Tobias Künzel (Die Prinzen) und Mark Tavassol (Wir sind Helden / Gloria). Der Musiker betont mit Nachdruck, wie viel Vor- und Filterarbeit das RockCity-Team geleistet hat, bevor die Jury sich für Krach+Getöse durch die 250 Acts hören konnte, die zur Auswahl standen. 

Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, die fünf Bands von bei Krach+Getöse im Laufe des Jahres einmal live zu erleben. Und im nächsten Jahr soll die Verleihung dann sogar abends mit Glam und Drinks stattfinden. Denn so schön die mittägliche Sause mit Klassentreffenatmosphäre ist, so schade ist es doch, dass die meisten dann doch bald zurückeilen müssen an ihre Schreibtische und Wirkungsstätten. Immerhin sorgt der obligatorische Kuchen für nachhaltigen Zuckerkick. Und der restliche Schub, der kommt von all der neuen Musik. 

Noch mehr Newcomer-Liebe:

Introducing: Blu Samu, neuer Star aus Brüssels Hiphop-Boom

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Trixsi im Molotow: Supergroup an Schnaps

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Ich mag es sehr, wenn es in Hamburg brodelt. Wenn eine neue Band in der Stadt auftaucht. Wenn immer mehr gute Leute darüber reden. In diesem Fall: Trixsi. Klingt wie der Punkername, den man in den 80ern gerne gehabt hätte. Wie ein Drink aus Brause und Schnaps, der noch erfunden werden will. Smells like teen spirit. Könnte schön und schmutzig sein. Trixsi, das ist womöglich auch die coole Kurzform von Trick Siebzehn. Lifehack an Musik? Hilfe und Hintersinn? Slapstick und Scheitern?

Das erste Konzert in der Astra Stube vor einigen Wochen hatte ich verpasst. Von daher gilt es an diesem Vorfeiertagsabend im Molotow herauszufinden, was es mit Trixsi auf sich hat. Natürlich hat sich das Brodeln um die Band in unseren überinformierten Tagen bereits auf das Internet erstreckt. Und die Kunde, dass da eine Art Punkrocksupergroup auftritt, hat das Interesse offenbar derart erhöht, dass das Konzert kurzerhand von der Skybar in den größeren Saal verlegt wird.

Wer ist denn hier verrückt?

Gegen 21.30 Uhr betritt Trixsi die flache Bühne im Molotow. In der Ankündigung ist von einer „Zusammenrottung Hamburger Gewohnheitstrinker“ sowie „Arbeiter-Rock, gespielt von kriminellen Faulenzern“ die Rede. Okay. Also, da wären als halbseidenes Malocherkollektiv: Paul Konopacka und König Wilhelmsburg von der Hamburger Indierockband Herrenmagazin an Schlagzeug und Gitarre, Kristian Kühl von Findus ebenfalls an der Gitarre, Klaus Hoffmann — ehemals bei Jupiter Jones — am Bass und am Mikro Jörkk Mechenbier, seines Zeichens Sänger bei Love A, Schreng Schreng & La La und — wie sich in dieser knackigen Dreiviertelstunde herausstellt — so etwas wie ein freundlicher Entertainerberserker. Pascow-Shirt, Tattoos in Edding-Ästhetik, Verschwitzt-Verschmitztes an Freddiemercuryschnurrbart.

Das Set beginnt mit „Autobahn“. Ein grob bretternder Song über die vermeintliche Freiheit auf vier Rädern. Die Texte gehen direkt ins Hirn, die Riffs sofort in jede Faser. Die Energie ist unmittelbar nervös und angenehm drüber. Es geht um merkwürdige Mechanismen in unserer Gesellschaft. Um Doppelmoral und Nihilismus. Und um die überreizte Künstlerexistenz im angeblich normalen Alltag. Wer ist denn hier verrückt?

Trixsi — „so wenig Set und so viel Abend“

Mechenbier wünscht Trauma und Tobsucht einen guten Morgen. Drahtseilakte, die das Umfeld mit offenen Mündern verfolgt. Das Publikum jedenfalls, das wird schnell klar, ist sowas von bereit, Trixsi in ihrem taumelnden Fallen aufzufangen. Trotz „so wenig Set und so viel Abend“, wie Mechenbier anmerkt, und erst einmal Schnaps ordert. Zur Überbrückung, zur Befeuerung. 

Vinyl-Singles gibt es auch zu kaufen für ’nen Zehner, herausgebracht von den Freunden von Rookie Records, den guten Hamburger Geistern für schönen rauen Sound. Überhaupt: die Musik. Wie lange gibt es die Band schon? Fühlt und hört sich an, als sei das nicht erst soeben hochgekocht, das ganze Ding. Toller abwechslungsreicher Wumms. Ein Song über jene, die sich abgehängt fühlen, digital und überhaupt, erinnert mich in seiner Dynamik an Nada Surfs „Popular“. Intensive Proklamation, melodiöse Ausbrüche. „Ab Morgen“ wiederum ist eine beschwingt krachende Indierock-Midtempo-Nummer. Ein Punk-Chanson zwischen Shouting und schön gesungen. 

„Als mir noch alles scheißegal war, war ich sieben oder neun“, singt Mechenbier dann später noch. Dieser Spirit weht mich an. Einfach mal zusammen Sachen machen. Zu spüren auch bei der Vorband. Da standen auf einmal fast komplett die eigentlich 2016 aufgelösten Findus auf der Bühne. „Wir sind… Wir wissen auch nicht, wer wir sind“, erklärt Sänger Lüam. Das Brodeln, es geht weiter. 

Zum Weiterlesen:

Interview mit Abramowicz zum Album „The Modern Times“: „Rock ’n’ Roll ist der beste Rat- und Haltgeber“

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Sarajane und ihr Album „Fuel“: Pop und Empowerment

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Es existiert ja diese neuzeitliche Redewendung „What would Beyoncé do?“, um  kleine und große Lebensaufgaben zu lösen. Um sich eine tägliche Dosis an Selbstliebe, Motivation und Großartigkeit abzuholen. In Bezug auf Hamburg und die Musikszene lautet für mich die Frage immer häufiger: „What would Sarajane do?“ Vor wenigen Tagen ist ihr zweites Album „Fuel“ auf dem eigenen Label McNificent Music erschienen. Hoch konzentrierter Treibstoff in Sachen Empowerment. Einmal volltanken mit Pop und Stimme, bitte.   

Sarajane ist so etwas wie ein Multifunktionsantrieb. Ich liebe die Social-Media-Storys, mit denen die in Hamburg lebende Britin ihre Arbeit als unabhängige Künstlerin flankiert. Klar ließe sich sagen: Das gehört halt dieser Tage dazu, online präsent zu sein. Sich zu vermarkten. Doch die Art und Weise, wie Sarajane ihre Community anspricht und im doppelten Sinne aufbaut, ist einfach smart und menschlich, energiegeladen und inspirierend.

Sarajane ruft dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen

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Sarajane, fotografiert von Annemone Taake (3)

Dabei trägt Sarajane keineswegs permanent eine rosarote Brille. Im Gegenteil. Ihr geht es darum, das Kopfsteinpflaster in Highheels entlangzulaufen, wie sie im Song „Cobblestones“ singt. Sprich: Hürden mit Stil zu nehmen. Daran zu wachsen. Und im Anschluss noch eigensinniger, reifer und schöner unterwegs zu sein. 

Jedes Mal, wenn ihre markante Haartolle und ihr wacher Blick in den Instagram-Storys auftauchen, freue ich mich auf eine aufmunternde Ansprache. Auf eine kleine aufrichtige Geschichte. Und auf Einblicke, wie Sarajane ihre Karriere in der Popbranche ohne eine große Plattenfirma im Rücken gestaltet. Ob wir sie nun im Studio oder in ihrer Küche begleiten, bei Konzerten oder auf den Straßen Hamburgs: Stets transportiert Sarajane, den optimistischen Vibe, mit dem ihr Album prall gefüllt ist. 

„You are fuel“ lautet ihre Devise. Das heißt: Sie ruft dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen. Zu pushen und zu supporten. Sich und andere nicht kleinzureden, sondern das Positive zu stärken. „Geh raus. Mach Dein Ding. Jede und jeder ist unterschiedlich. Das ist das Gute. Versuche nicht, jemand anderes zu sein. Wir brauchen dich so wie du bist.“ So lautet Sarajanes Botschaft. 

Sarajane, das ist Mission und Vision, Beat und Seele

Eine Popdiva zu werden (und schlichtweg Mensch zu sein), ist nicht bloß Glanz und Glitzer. Das lässt sich von Sarajane lernen. Sie erzählt von langen Arbeitstagen. Von Müdigkeit — und trotzdem weitermachen. Vom Videodreh während der Menstruation. Vom Adrenalinkick nach einem Auftritt. Sich Ängste eingestehen. Sich nicht ständig entschuldigen. Sich feiern. Wir kochen, tanzen und fiebern mit ihr. Ungeschminkt. Mit Make-up. Oder auf dem Weg vom Purem zum Glam. Sarajane, das ist Alltag und Euphorie. Mission und Vision. Beat und Seele. Und sehr viel Charakterstärke. 

Sarajane, Singer, Soul, R 'n' B, Pop, Hamburg, Album, Fuel, McNificent MusicMir gibt Sarajane als Persönlichkeit, mit in ihren Storys und ihrer Musik stets eine riesengroße Portion Schwung mit. Und zwar nicht flugs oberflächlich, sondern tatsächlich wie ein Treibstoffschub von Innen. „I would love for people to listen to it in the morning and get their groove on“, sagt Sarajane über ihr Album „Fuel“. Musik, die den Gang gerader und die Hüften geschmeidiger macht. Die den Kopf durchlüftet und das Herz weitet. 

Sound, der Pop von R’n’B über Reggae bis Electro auslotet

„Bullets Out Of Love“, ihre erste Single, verdichtet Sarajanes Message sehr gut. Zu Pianopowerpop an druckvollen Chören predigt sie mit viel Soul, all dem Hasssprech und der Negativfixierung mit Liebe zu begegnen. Entstanden ist dieser positive Protestsong während des G20-Gipfels in Hamburg. „Als ich in Hamburg-Altona in meiner Wohnung saß, die Helikopter über mir kreisten und der Gestank von brennenden Autos ins Zimmer zog, war ich so wütend auf den Zustand der Welt, das ich dachte, man muss jetzt was ändern“, erzählt Sarajane.

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Cover zu Sarajanes Album „Fuel“

Aufgewachsen ist die Sängerin als Älteste von sechs Geschwistern in einer britisch-deutschen Patchwork-Familie. Anzupacken, auf andere zu achten und Menschen Mut zu machen, wenn es ihnen nicht gut geht, sei daher zu ihrer Lebensaufgabe geworden. Deshalb wolle sie kraftvolle, stärkende Musik machen. Das ist ihr mit „Fuel“ — aufgenommen im Hamburger Hafenklang Studio sowie im Boogie Park — definitiv gelungen. Mit ihrer Band erzeugt sie einen vielseitigen Sound, der Pop von R’n’B über Reggae bis Electro auslotet. 

Ihre Stimme schillert tief in der Ballade „Guess Who’s Back In Town“. Sie tönt bluesrockig in einer Nummer wie „Get Up 10“. Und in „Do It Again Now“ betört Sarajane mit Beyoncé-esker Coolness. „Die Schlagkraft einer Rihanna mit dem Soul von Adele“ habe ihr Produzent diesen Stil genannt — in dem natürlich ganz viel Sarajane selbst steckt. Wenn sie singt, geht nicht lieblich die Sonne auf. Sarajane ist dann die Sonne selbst. Mit der Energie, andere zu verbrennen, die ihr dumm kommen. Dem Rest gibt sie reichlich ab von ihrer Wärme und ihrem Strahlen.

Mehr Empowerment:
Introducing Blu Samu, neuer Star aus Brüssels Hiphop-Boom

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Interview mit Abramowicz zum Album „The Modern Times“: „Rock ’n’ Roll ist der beste Rat- und Haltgeber“

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Vor einigen Wochen schrieb mich die Hamburger Rockband Abramowicz an und erzählte mir von ihrem anstehenden Debütalbum. Damals steckte ich noch mitten in meinem Brüsseler Arbeitswohnprojekt, weshalb wir ein Interview per Mail verabredeten. Mittlerweile ist „The Modern Times“ erschienen. Ich bin zurück in Hamburg. Und Sänger und Gitarrist Sören Warkentin hat mir die Antworten auf meine Fragen geschickt.

Ich kenne Abramowicz seit Jahren als Hausband des Molotow. Auf ihrem ersten Longplayer zeigen die fünf Freunde, dass sie wesentlich mehr sind als die local heroes des heiß geliebten Kiezclubs. Gleichzeitig transportiert „The Modern Times“ sehr viel der glückseligmachenden räudigen Energie einer rock ’n’ rolligen Nacht.

Abramowicz Mitte Mai mitternachts im Molotow

„Alles in allem sprechen wir hier von einer Band, der ein Album voller wundervoller Geschichten, beeindruckend eingängiger Momente und vielen Gänsehaut versprechenden und authentisch mitten ins Herz treffenden Hits gelungen ist“, sagt Jörkk Mechenbier über das Album. Der Love A-Kopf ist neben diversen anderen Persönlichkeiten aus der Hamburger Musikszene im feinen Abramowicz-Video zu „This Is Not My City“ zu sehen.

Einen Artikel und eine Rezension zu „The Modern Times“ gibt es unter anderem zu lesen bei den Kollegen der „Visions“ (für die ich seit Kurzem ebenfalls schreibe). In diesem Monat sind Sören sowie seine Bandkollegen Niki Loew (Gesang, Bass), Nils Warkentin (Drums), Sascha Blohm (Gesang, Gitarre) und Finn Grunewald (Keys) zudem live auf Tour zu erleben. Ich jedenfalls freue mich schon sehr auf das mitternächtliche Konzert von Abramowicz am 11. Mai im — na klar — Molotow. Und zur Einstimmung gibt es nun das Interview mit Sören. Viel Spaß.

Sound und Gesang klingen auf „The Modern Times“ noch dringlicher und akzentuierter als auf der 2016er-EP „Call The Judges“. Mit welchem Impuls, welchem Ansatz seid Ihr an das Album herangegangen? 

Zunächst war klar, dass wir nach unseren ersten zwei EPs endlich ein komplettes Album schreiben und produzieren wollten. 2016 und 2017 waren wir so viel auf Tour, dass wir kaum Zeit gefunden haben, an neuen Songs zu arbeiten. Wir haben uns 2018 dann bewusst eine Auszeit vom Touren genommen, um die Platte zu schreiben. Wenn man von einem Ansatz sprechen möchte, dann ging es uns einfach darum, die bestmögliche Platte zu machen und alles aus den Songs rauszuholen. Wir haben keine thematischen Schwerpunkte gesetzt, weder in Bezug auf die Texte noch auf die Musik. Es war eher so, dass wir uns die Songs immer wieder vorgenommen haben und so lange daran gearbeitet haben, bis wir zufrieden waren. 

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Abramowicz, fotografiert von Sascha Lepp (3)

Fiel es schwer, Euer Debütalbum loszulassen — also zu sagen: Jetzt müssen die Songs auch mal hinaus in die Welt? 

Wir haben uns und unserer Musik einem Prozess ausgesetzt, der theoretisch endlos hätte weitergeführt werden können. Schreiben, umschreiben, verwerfen und so weiter. Wir sind aber definitiv eine Band, die den Fokus auf das Livespielen an sich legt. Von daher freuen wir uns auf die anstehende Tour und sind insofern eher froh, dass die Platte endlich das Licht der Welt erblickt hat. Auch wenn wir uns bewusst keine Deadline für das Schreiben der Songs gesetzt haben. Im Rückblick hätten wir wahrscheinlich einiges anders gemacht. Aber ich denke, da kommt man als Kunstschaffender nie raus. Abgesehen davon sind inzwischen ja auch einige Tage ins Land gegangen. Und es gibt Leute, die gar nicht mehr damit gerechnet haben, dass wir tatsächlich noch eine Platte veröffentlichen. Wir haben von verschiedenster Seite gehört, dass es eigentlich schon zu spät sei, ein „Debüt“ zu veröffentlichen, da all die Energie, die wir aus den ersten EPs ziehen konnten, verpufft sei. Aber da haben wir — nach dem Motto „gut Ding will Weile haben“ — immer drübergestanden. 

The Modern Times, Album, Debut, Abramowicz, Band, Indie, Rock, Rock 'n' Roll, Punkrock, Hamburg, Music, Scene, Molotow, Label, Radicalis, Interview, Sören Warkentin, Singer, GuitaristEurem Artwork nach zu urteilen sind „The Modern Times“ im wahrsten Sinne des Wortes zum Heulen. Wie kam es zu Titel und Covergestaltung des Albums? 

Wir haben nach etwas wie der Quintessenz des Albums gesucht. Dabei sind wir auf den Titel gestoßen, der auch in der Zeile „Welcome to the Modern Times – are you happy, are you satisfied?“ zum Tragen kommt. Ich betrachte mich als Texter eher als einen Beobachter und weniger als jemanden, der Dinge bewertet. In diesem Sinne drehen sich die Songs oft um Zustandsbeschreibungen. Auf dem Cover ist Saschas kleine Schwester an ihrem Geburtstag zusehen. Das Bild ist in den 70er-Jahren entstanden. Wir fanden das Kontrastierende, das dem Foto in Bezug auf den Titel innewohnt, super interessant. Mir ist klar, dass vieles von dem, was ich erzähle, so oder so ähnlich schon in früheren Zeiten gesehen oder erlebt wurde. Und wahrscheinlich wird sich das in Zukunft auch nicht ändern beziehungsweise wiederholen. Das Leben spielt dir Streiche und du begegnest Situationen, denen du dich nicht aussetzen möchtest. Ich denke, es ist ein Charakteristikum des Menschlichen, sich durchbeißen zu wollen. Und daran zu glauben, dass beschissene Situationen vorübergehen und die Sonne irgendwann wieder scheint. Uns ging es also nicht darum rumzuheulen. Eher darum, Hoffnung zu verbreiten. Vielleicht versuchen wir also nur, die tröstende Schulter des kleinen Mädchens auf dem Cover zu sein. 

Songs wie „Blood Red Letters“ oder auch „Mountains“ vermitteln für mich ganz stark: Ich kann nicht alles versprechen, nicht das perfekte Paket bieten, ich scheitere, mache Fehler, aber ich versuche es weiter, ich bleibe am Start und beginne zur Not immer wieder neu. Eigentlich auch eine gute Philosophie fürs Musikmachen, oder?

Ich denke, dass ist nicht nur eine gute Philosophie fürs Musikmachen. Wir leben heute in verrückten Zeiten, in denen alte Gewissheiten in Frage gestellt werden. In denen die Leute sich ihre Miete nicht mehr leisten können und das Klima auf den Kollaps zusteuert etc. etc. Jetzt könnten wir den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Fuck it – wir sind am Ende“. Aber ich glaube, so tickt der Mensch nicht. Das gilt auf der gesellschaftlichen, wie auf der individuellen Ebene. Klar sind wir schwach, aber immer noch stark genug, uns unsere Schwäche einzugestehen.
Ich schreibe mir ständig irgendwelche Textschnipsel ins Handy, setze mich dann mit der Gitarre hin und gucke was passiert. Die Inspiration verknüpfe ich dann meistens mit Erinnerungen, die mir sagen, warum ich diesen Satz oder dieses Wort aufgeschrieben habe. 

Wie sieht die Rollenverteilung bei Euch in der Band aus? Wer schreibt die Songs, wer die Texte? Und, wenn Ihr mögt: Wer übernimmt Organisatorisches, wer sorgt für den Comic Relief etc.? 

Ich habe – ehrlich gesagt – keine Ahnung, was Comic Relief bedeutet. Bei uns sieht es auf jeden Fall so aus, dass meistens ich oder Sascha mit einer Idee in den Proberaum kommen und wir drauflos jammen. Manchmal entstehen dann schnell Songideen. Manchmal werden die Sachen einfach verworfen und wir kramen sie vielleicht irgendwann nochmal hervor. Auf der Platte sind Songideen zu Songs geworden, die schon älter sind als unsere erste EP. Was das Organisatorische angeht, sind wir schon viel professioneller geworden. Allerdings würde ich uns immer noch als eher chaotischen Haufen beschreiben. Deswegen hat es auch so lange gedauert, bis ich Dir auf Deine Fragen Antworten gebe. Sorry dafür! 

Wo, mit wem und wie lief die Produktion des Albums ab?

Als wir das Gefühl hatten, genügend Material für die Platte zu haben, sind wir ins Watt’n Sound Studio an die Nordsee gefahren und haben vier bis fünf Tage konzentriert daran gearbeitet, aus den Ideen Songs zu formen. Dann hatten wir insgesamt vier Vorproduktionssessions in Hamburg zusammen mit Paul Konopacka. Wir haben Songs live eingespielt, Paul hat alles roh gemixt und wir haben an den Songs gefeilt. Paul hat definitiv auch aktiv ins Songwriting eingegriffen und jeden Song noch besser gemacht. Die Aufnahmen an sich haben wir dann wieder im Watt’n Sound Studio gemacht — mit Kristian Kühl und Paul Konopacka. Ich glaube, wir waren zehn Tage an der Nordsee und danach ungefähr 14 Tage im Studio von Kristian in Hamburg. Während der Sessions hat sich nochmal vieles verändert. Wir haben ohne Ende Gitarrenpedale etc. ausprobiert und hatten Probleme, die richtigen Effekte wieder zu finden, als wir angefangen haben, für die Tour zu proben. Kristian, Paul und wir als Band haben versucht, das alles so entspannt wie möglich zu machen und eine freundschaftliche „Feel-Good“-Atmosphäre zu schaffen. Ich glaube, das ist uns auch ganz gut gelungen. Wir hatten in jedem Fall super viel Spaß, haben viel gelacht und viel getrunken. Good Times halt! 

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Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Schweizer Plattenfirma Radicalis, die ja erst 2018 eine Dependance in Hamburg eröffnet hat und erst seit Kurzem in die Labelaktivität eingestiegen ist? 

Wir kennen Alex Beyer, der einer derjenigen ist, die die Dependance eröffnet haben, schon seit unserer ersten EP. Damals hatte er zusammen mit Lukas Heger und Matthias Brinkmann das Label „Sportklub Rotterdamm“ gegründet und wir waren der erste Release auf diesem Label. Bei der zweiten Platte haben sich der Sportklub und Uncle M die Arbeit geteilt. Als es darum ging, das Album zu veröffentlichen, haben wir als erstes bei Alex angeklopft. Und zum Glück hat das alles mehr als gut funktioniert. Alex ist für uns sowas wie der große Bruder der Band. Aber alle Leute bei Radicalis, insbesondere auch Christoph Hallerberg, sind einfach großartig. Ich glaube, wir können einfach nur dankbar sein. Denn wir können sagen, dass die Jungs einfach einhunderprozentig hinter uns und unserer Band stehen. Das ist wirklich ein schönes Gefühl! 

Ein Stück wie „Brooklyn“ transportiert eine große Sehnsucht. Und in einer Nummer wie „Wild Rover“ singt Ihr im Chor: „We salute the night / to forget the day“. Lässt sich Rock’n’Roll, also das gute wilde, den Herzschlag beschleunigende Leben in den „modernen Zeiten“ überhaupt noch real leben? Oder ist Rock ’n’ Roll womöglich wieder mehr Gegenmodell denn je in unserer zunehmend durchgetakteten Gesellschaft? 

Vielleicht ist der Rock ’n’ Roll, wie wir ihn verstehen, gerade in diesen Zeiten der beste Rat- und Haltgeber. Und vielleicht glaube ich deshalb, dass er nie untergehen wird. Wenn wir diese Zeilen singen, wollen wir an das vielleicht manchmal Unvernünftige, aber dadurch Tröstende appellieren. Egal wie beschissen dein Tag war, für ein paar Momente hast du die Möglichkeit, davor abzuhauen. Für mich gibt es keine andere Form als die Musik, die das vermitteln kann. 

„You’ve been the first on the dance floor / and the last one to leave.“ Bei dieser Zeile kommt mir die Hamburger Rock ’n’ Roll-Instanz Molotow in den Sinn, mit der Ihr eng verbunden seid. Was bedeutet Euch diese Club-Heimat? 

Nils und ich arbeiten dort noch. Sascha war mal Hausmeister. Niki stand hinterm Tresen und Finn auf der guten Seite des Tresens. Außerdem hat uns der Laden früh die Möglichkeit gegeben, live zu spielen. Von daher sind und werden wir dem Laden immer verbunden bleiben. Abgesehen davon liefert das Nachtleben generell und das Molotow im Speziellen eine super Inspirationsquelle für Songs. 

„In the town for the rich and the famous / there will be no dirt no more“, heißt es im Song „Not My City“. Wie nehmt Ihr als Hamburger Band die popkulturelle Entwicklung in der Stadt wahr? Wird es härter, sich den schönen Schmutz und die subkulturellen Ecken zu erobern? Oder gibt es durchaus ein Bewusstsein, wie wichtig das künstlerische Leben jenseits von Elbphilharmonie und Musicals ist? 

In politischer Hinsicht muss das alles sicherlich problematisch bewertet werden. Wir hatten bis vor Kurzem, so wie 120 andere Bands, im Otzenbunker unseren Proberaum, der auf behördliche Anweisung hin dichtgemacht wurde. Ich glaube, dass viele Leute nach St. Pauli kommen, um diesen „schönen Schmutz“ zu erleben. Dass das alles aber nicht portofrei zu haben ist, wird gerne vergessen. Ich habe nichts gegen „hochkulturelle“ Stätten à la Elbphilharmonie. Man muss nur aufpassen, dass der Fokus nicht komplett verschoben wird. Und ich denke, dass niemand ein echtes Interesse an dem fortwährenden Ausverkauf der Stadt Hamburg und der Städte im Allgemeinen haben kann. Die echten Geschichten findet und erlebt man eben nicht hinter hochglanzpolierten Fassaden. 

Vielen Dank für dieses spannende Interview und Dein Interesse!

Merci für die Antworten — und die Musik!

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Arbeitswohnprojekt in Brüssel: Fazit — und alle Kapitel des belgischen Biggy Pop-Tagebuchs

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Wow. Schon ist unser Arbeitswohnprojekt in Brüssel wieder vorbei. Ich befinde mich auf dem Rückweg nach Hamburg. Und auch meine Freunde Julia vom Naturkosmetikblog Beautyjagd sowie Matthias vom Gastroblog Chez Matze sind bereits abgereist. Für mich waren die vergangenen Wochen auf mehreren Ebenen inspirierend, weshalb ich hier ein kleines Fazit ziehen möchte.  

Eine unserer Erkenntnisse: Ein anderes Leben ist möglich. Diese Einsicht ist zu großen Teilen durch unsere Unterkunft motiviert. Für unser Arbeitswohnprojekt haben wir uns in einer Fabriketage im Stadtteil Schaerbeek einquartiert. Unser Vermieter, der sonst in dem großzügig bemessenen und industriell geprägten Loft wohnt, ist von Haus aus Kulissenbauer fürs Theater. Und so lebten wir für eine Zeit in seinem Interieur, in seiner Gedankenwelt, seiner Aura. Allein diese andere Umgebung löste uns bereits aus gewohnten Bahnen heraus. 

Arbeitswohnprojekt zwischen Recherche und Stromerlust

Hoch interessant war, wie wir drei unsere Tage gestalteten. Welchen Arbeitsrhythmus die eine und der andere wählte. Und wie wir uns jeweils die Stadt erschlossen. Je nach Mentalität überwogen Recherche oder Stromerlust. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten erzählten wir uns dann, woran wir gerade schrieben. Und was wir in den vielfältigen Brüsseler Vierteln alles entdeckt haben. 

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Beim Manneken Pis um die Ecke: Arlequin Records, Rue du Chêne 7, Bruxelles

Womit wir bei einem weiteren wichtigen Faktor bei solch einem Arbeitswohnprojekt wären: der Kommunikation. Die Grundvoraussetzungen waren gut: Drei Freunde, die sich lange kennen und mögen. Und zudem drei Menschen mit Erkundungsfreude, die das Soziale ebenso lieben wie das alleinige Unterwegssein. Damit wir jedoch nicht alle drei in unseren jeweiligen Fachgebieten und Leidenschaften einschrullten und herumnerdeten, haben wir  hin und wieder Workshops gemacht. 

Wozu inspiriert mich der Aufenthalt? Welche Aufgaben möchte ich in den kommenden Monaten anpacken? Welche Träume habe ich im Leben? Und was für gemeinsame Aktivitäten könnten aus unserem Arbeitswohnprojekt in Zukunft erwachsen? In kurzen Einheiten von zehn, fünfzehn Minuten brainstormte jede und jeder zu derlei Fragen schreibend für sich. Im Anschluss trugen wir unsere Assoziationen vor und gaben einander Feedback. Ein toller Pool an Impulsen. Mir gefiel diese Art von gesteuerter Kommunikation sehr, da sich so die Energie und Ideenfülle in unserem Arbeitswohnprojekt noch einmal ganz anders bündeln ließ.  Ich bedanke mich jedenfalls von Herzen bei Julia und Matthias für diese kreative Komplizenschaft, die gewiss ihre Fortführung findet.

Städteübergreifende Probleme für Kulturschaffende

Auf beruflicher Ebene bin ich nach wie vor hoch beglückt, wie bereichernd sich die musikalische Spurensuche in Brüssel gestaltet hat. Wie gut ich in den äußerst abwechslungsreichen Popkosmos der Stadt eintauchen konnte. Und wie offen die Szene samt ihrer Akteure ist. Diese Erfahrung bestärkt mich in meiner Philosophie, dass Musik eine ultimative verbindende Kraft besitzt. Dass sich Begegnungen oftmals unmittelbarer gestalten, wenn die Musik als Mittler fungiert. 

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Nahe der Halles de Saint-Géry: der Plattenladen Doctor Vinyl, Rue de la Grande Ile 1, 1000 Bruxelles, Belgien

Zugleich sind die Probleme, mit denen Kulturschaffende in Großstädten konfrontiert sind, oftmals ähnlich, stellte ich fest. Stadtteile werden gentrifiziert. Mieten steigen. In Brüssel ziehen deshalb viele Kreative derzeit in den Südwesten der Stadt, zum Beispiel nach Anderlecht. In dem rau charmanten Viertel eröffnete mit dem Volta etwa jüngst ein Musikzentrum: In einer alten Textfabrik finden sich Proberäume, Studios, eine Konzertbühne sowie Räume für Workshops. Ich habe es leider nicht bis dorthin geschafft. Aber ich brauche ja auch Gründe, um wiederzukommen. 

Die Welt erkunden mit Musik

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Beim Botanique: Balades Sonores, Rue Royale 173

Auch den unfassbar vielen Plattenläden in Brüssel ließen sich ganze Kapitel widmen. Ich habe stellvertretend in diesem Blogpost einige Fotos von Recordstores eingefügt, die ich in den vergangenen Wochen gemacht habe. Zudem gibt es am Ende dieses Textes noch eine Linksammlung, die komprimiert alle Artikel meines Aufenthalts aufführt. Mein Brüsseler Biggy Pop-Tagebuch sozusagen. 

Mich motiviert unser Arbeitswohnprojekt in Brüssel definitiv dazu, einerseits noch offener zu sein. Und andererseits meiner Intuition, meinem Know-how und meiner Stimme noch mehr zu vertrauen. Das mag zunächst paradox klingen. Aber für mich bedeutet dies im Idealzustand: Wenn ich in mir selbst zuhause bin, kann ich die Welt umso besser erkunden. Im besten Fall mit Musik, versteht sich.

Das Brüsseler Biggy Pop-Tagebuch

Kapitel 1:
Der Sound der Stadt — Brüssel und das Botanique (inkl. Konzert Alice Merton)

Kapitel 2:
Brüssel, ein Zirkus mit Musik (inkl. Konzert Rufus Wainwright)

Kapitel 3:
Tawsen — Pop und Rap aus dem Herzen Brüssels

Kapitel 4:
Kanal Centre Pompidou — von der Autogarage zur Kulturstätte

Kapitel 5:
Auf den Spuren von Jacques Brel — eine musikalische Tour durch Brüssel

Kapitel 6:
Indies Keeping Secret und Record Store Day in Brüssel (inkl. Konzerte von The Brother Brothers, Portland & Beautiful Badness)

Kapitel 7:
WBM belgische Popförderung, angesagte Bands & europäischer Geist (inkl. Konzert L’Or Du Commun)

Kapitel 8:
Introducing: Namdose, eine belgisch-französische Supergroup

Kapitel 9:
Introducing: Blu Samu, neuer Star aus Brüssels Hiphop-Boom

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Mitten in der Brüsseler City: Caroline Music, Boulevard Anspach 101

Introducing: Blu Samu, neuer Star aus Brüssels Hiphop-Boom

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Wer meine Arbeit als Musikjournalistin bereits länger verfolgt, der weiß, dass ich es liebe, Newcomer kennenzulernen. Ich finde es einfach hochgradig inspirierend, zu verfolgen, welche neuen Ideen und Inhalte, Sounds und Energien gerade entstehen.

Insofern freue ich mich sehr, während meiner Zeit in Brüssel Salomé Dos Santos alias Blu Samu zu treffen. Ihres Zeichens äußerst angesagte Sängerin und Rapperin, die Sprachen, Stile und Welten in ihrer hochgradig sympathischen und angenehm eigensinnigen Persönlichkeit vereint.  

Blu Samu, von Portugal nach Belgien

Wir treffen uns nahe des Clubs Ancienne Belgique im Café Moka. Dass ihre 2018 erschienene EP ebenso heißt wie dieser kleine verwinkelte Laden, sei Zufall, erklärt Blu Samu. Und sie blickt wach unter ihren wilden braunen Locken empor. Im Moka gebe es einfach den besten Cappuccino der Stadt. Und der Titel ihres ersten Albums? Der stamme von ihrer Großmutter in Portugal, wo sie bis zu ihrem sechsten Lebensjahr lebte. „Moka“ habe ihre Oma sie genannt. Weil sie eben halb Kaffee, halb Milch sei. 

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Blu Samu, fotografiert von Yaqine Hamzaoui.

Und schon befinden wir uns mitten drin in der Geschichte von Blu Samu. Dieser jungen und extrem talentierten Musikerin, die Soul und Hiphop so elegant zu verbinden weiß, dass einem Ikonen wie Lauryn Hill und Erykah Badu in den Sinn kommen. Die aber zugleich eine ungemeine Streetsmartness transportiert, was ihren Songs einen kantigen Dreh gibt. 

Den Großteil ihrer Kindheit und Jugend wuchs Blu Samu bei ihrer Mutter im flämischen Antwerpen auf, also im niederländisch-sprachigen Teil Belgiens. „Ich habe mich immer schon für Kultur interessiert — für Kunst, Musik, Design und Filme“, erzählt sie. Die ersten popkulturellen Einflüsse seien Hit-CDs gewesen, die ihre Mutter mitbrachte. Von diesen Best-Of-Samplern aus machte sich Blu Samu auf die Suche nach ihren musikalischen Vorlieben. Und landete bei Hiphop und Soul. 

Brüsseler WG mit einem halben Dutzend Rappern, DJs und Produzenten

Als 19-Jährige schrieb sie mit „Trapped“ ihren ersten Song. Und entdeckte die befreiende Kraft des Rap. „Ich habe vorher bereits Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben“, sagt Blu Samu. Aber angetrieben von der Musik könne sie ihre Gefühle viel besser kanalisieren. „Ich war damals in einer wirklich üblen Clique unterwegs. Ich hatte Schulden und habe zudem einen wichtigen Menschen verloren. Ich wollte unbedingt raus aus dieser Situation“, erzählt sie. Erlebnisse wie diese verarbeitet die Künstlerin in ihren Lyrics. Hiphop helfe ihr, persönlich zu wachsen. Und: „Die Musik macht einfach unglaublich Spaß“. 

Vor drei Jahren zog Blu Samu nach Brüssel und tauchte direkt in die pulsierende Hiphop-Szene der belgischen Hauptstadt ein. Lange Zeit wohnte sie mit einem halben Dutzend Rappern, DJs und Produzenten in einem Haus im Viertel Laeken, sodass sie gemeinsam täglich an Beats und Versen basteln konnten. Nach wie vor kooperiert sie eng mit ihren guten Freunden von der Hiphop-Crew Le77. Und mit dem momentan extrem aufstrebenden Rapper Zwangere Guy. Auf dessen aktuellem Album „Wie Is Guy?“ rappt Blu Samu erstmals in der Sprache ihrer frühen Kindheit, auf Portugiesisch. Dunkel lässig groovend.

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Blu Samu, fotografiert von Hamza Seriak (3).

Die meisten ihrer Texte spricht und singt sie auf Englisch. Mitunter fügt sie französische Passagen ein. Die Sprache ihrer Jugend hat sie jedoch bisher nicht im Repertoire. „Ich mag nicht, wie meine Rap- und Gesangsstimme auf Niederländisch klingt.“

Was für ein künstlerischer Luxus, aus einem solchen Reichtum an Worten schöpfen zu können. Ein, wie ich finde, riesengroßer Pluspunkt der belgischen Musikszene insgesamt. 

„Wir möchten beweisen, dass wir nicht bloß ein Hype sind“

Gerade der Hiphop erlebt in Brüssel einen wahnsinnigen Boom. Die Atmosphäre unter den einzelnen Crews sei jedoch nicht von Konkurrenzdruck oder Egomanie geprägt, erläutert Blu Samu. Vielmehr unterstützen sich alle gegenseitig, um sich gemeinsam weiterzuentwickeln. „Wir möchten beweisen, dass wir nicht bloß ein Hype sind, der wieder vergeht. Wir wollen Hiphop aus Belgien auf eine Karte bringen mit Künstlern aus den USA und Großbritannien. Wir sind hungrig und durstig“, sagt Blu Samu und lacht. 

Ihr jedenfalls könnte ein internationaler Erfolg durchaus gelingen. Ihr raue Stimme klingt überaus wahrhaftig und verbindet sich mit ihrem coolen Charisma zu einer Energie, die schnell auf das Publikum überspringt. Sie liefert sowohl akzentuierten Sprechgesang wie in der Nummer „GanGang“ als auch geschmeidigen Soul wie in „Sade Blu“. Zudem schwingt in ihren Songs das portugiesische Saudade mit. Jene Mischung aus Weltschmerz, Melancholie und Nostalgie, die an der Seele zieht und uns tief im Innern zu berühren versteht. Diese Stimmung verbirgt sich in Blu, also im Blau ihres Künstlernamens. 

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„Clumsy Queen“, eine Hymne für alle Ungeschickten

Ihre natürliche Präsenz entfaltet sich vor allem live auf der Bühne. „Jedes Mal meine Ängste überwinden, jedes Mal die Zeit meines Lebens haben.“ So beschreibt Blu Samu ihre Emotionen bei Konzerten. Sie selbst bezeichnet sich übrigens als Feministin, die hofft, dass dieser Begriff bald unnötig wird. Viel lieber möchte sie sich Equalist nennen. Mit Shoutouts an all ihre Homies, an die Guys ebenso wie an die Ladys.

Mir gefällt zudem, dass Blu Samu selbstkritisch und -ironisch ist. Eine gute Kombination. Der ihr ganz eigene Witz kommt zum Beispiel in dem Song „Clumsy Queen“ zum Ausdruck, eine Hymne für alle Ungeschickten. „Ich bin wirklich tollpatschig. Ständig schmeiße ich Sachen um, verliere Schlüssel oder mein Telefon. Das ist ein Fluch“, erzählt Blu Samu und wirbelt mit ihren Händen durch die Luft. „Ich möchte all jenen diesen Song widmen, denen es geht wie mir. Und die sich dennoch immer wieder voller Liebe und aus den richtigen Gründen auf die Reise machen.“ 

Ich hoffe jedenfalls, dass sich unsere Wege wieder kreuzen werden. Und dass so eine spannende Newcomerin bald auch einmal in Hamburg zu erleben sein wird. Für ein Entdecker-Event wie das Reeperbahn Festival beispielsweise wäre Blu Samu perfekt.  

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