Frau Hedi multiplizieren: Zeigt Eure Party-Erinnerungen und bastelt die Barkasse

Diesen Donnerstag hätte ich als DJ Biggy Pop meine Saison auf der Hedi begonnen. Frau Hedi, genauer gesagt. Jener Barkasse, auf der sich zu rock ‘n‘ rolligen Klängen über die Elbe schippern lässt. Schwimmender Club. Wogende Kaschemme. Nussschale der Herzen. 

Ich liebe es, zum Fluss herunterzuradeln. Meine Musik im Rucksack. An den Landungsbrücken 10 steige ich die schmale Treppe hinab. Die Hedi liegt leicht schaukelnd an der Innenkante. Die famose Crew wuchtet gerade Bierkisten, Flaschen und Eis an Deck. Ahoi und Hallo, Umarmungen und Handschläge. Ein kleines feines Nachhausekommen, ein Nachdraußengehen nach dem Winter, der zwischen Wänden verbracht wurde. Zwischen den eigenen. Aber auch zwischen denen von Musikclubs, Konzerthallen und Bars. Das gute wilde Leben. Eine Art von Verbinden. 

Hedi ist eine menschenfreundliche, aber auch querdenkende Gastgeberin

Nach einem kleinen Soundcheck hätte dann der Einlass begonnen. Ich mag es sehr, wenn sich das Boot füllt. Den Leute steht diese Erwartung einer guten Zeit ins Gesicht geschrieben. Diese Vorfreude und Offenheit. Ich spiele gerne ein wenig Ankommensmusik, während die Hedi auf die Elbe hinausrollt. Am Dock 10 vorbei. Hin zu den Ecken, Winkeln und Schleusen im Hamburger Hafen. Positive Sounds sollen es sein, zu denen sich ein erstes Getränk bestellen lässt. „Wann strahlst du?“ von Erobique & Jacques Palminger ist zum Beispiel ein guter Song, um auf die spezielle Atmosphäre der Hedi einzustimmen. Denn die Hedi ist eine äußerst menschenfreundliche, aber auch querdenkende Gastgeberin. Ballermann ist ihre Sache nicht. Dafür das Schöne, Schräge, das alle Umarmende. 

DJ, Biggy Pop, Frau Hedi, boat, cruise, Hamburg, Harbour, Club, PartyIch schaue mir immer gerne an, welche Menschen an Bord sind. Was könnte ihr Herz erfreuen. Was bringt sie womöglich zum Tanzen. Spiele ich mehr Soul oder mehr Indierock oder mehr  Hip-Hop oder mehr Pop? Am liebsten ohnehin von allem das Gute. Zu Beginn einer Tour hängen viele erst einmal im Außen. Im großen Oh und Ah. Die Kräne und die Köhlbrandbrücke, die Schiffe und der Sonnenuntergang. Stunde um Stunde und Schnaps um Schnaps richtet sich die Aufmerksamkeit dann langsam nach Innen. 

Der Corona-Konjunktiv

Aus all den sehnsuchtsvollen Seeleuten wird nach und nach bestenfalls eine große schaukelnde Partycrew. Alle tanzen dann Walzer zu Peter Sarstedt oder klopfen sich mitsingend auf die Brust bei Queen. Sie liegen sich in den Armen bei Britney Spears oder schütteln ihr Haar zu Peaches. Die Enge des Raums. Das Auf und Ab. Der Blick auf die Lichter der Stadt. All das ist dann verdichtetes Glück. 

Dieses Jahr ist alles anders. Dieses Jahr ist alles ein großes Eigentlich. Hätte, würde, könnte. Der Corona-Konjunktiv. Doch um den Hedi-Spirit aufrechtzuerhalten, habe ich mir eine Aktion überlegt. Zur Freude aller, die das gemeinsame Feiern auf der Elbe vermissen. Und auch, um mir den ausgefallenen Auflege-Abend ein wenig zu versüßen.

Aktion diesen Donnerstag: die Hedi-Multiplikation

Lasst uns gemeinsam mit Frau Hedi durch das Netz schippern. Postet diesen Donnerstag (9.4.) ab 20 Uhr Eure Hedi-Erinnerungen auf Euren sozialen Plattformen. Auf Facebook, Instagram, von mir aus auch auf Twitter und was ihr sonst noch so nutzt. Eure Fotos und Filme aus den vergangenen Hedi-Jahren werden so am Donnerstag zum kollektiven Party-Törn. Und falls Ihr gerade kein Archivmaterial zur Hand habt: Erzählt einfach eine kleine Hedi-Anekdote.

Frau Hedi, Hedi, Barkasse, Boot, boat, cruise, Party, DJ, Biggy Pop, DIY, Badewanne, Gitarrenmann, Rettungsring, Discokugeln, Party, Club, Szene, Musik, Music, PopOder, tadaa: Bastelt Eure eigene Hedi! Ich habe zum Beispiel eine Tupperschüssel zu Barkasse umgebaut und in meiner Badewanne vom Stapel gelassen. Nutzt Tassen, Töpfe und Krimskrams. Baut die Hedi-Kloschlange mit Plüschtieren nach. Fabriziert ein DJ-Pult aus Keksen. Verkleidet Euch als Hedi-Kapitän. Die Kreativität ist so weit wie ein Fluss. Am besten noch: Lasst — wenn vorhanden — Eure Kinder die Hedi malen oder bauen. Die können das im Zweifelsfall ohnehin viel besser und bunter.

Neumodisch hieße diese Aktion wohl: Challenge. Irgendwie scheint alles eine Challenge zu sein dieser Tage: Fit bleiben, Abstand halten, Karaoke singen, die Nerven bewahren, an die Wand starren. Die Hedi ist aber keine Herausforderung. Die Hedi ist Freiwilligkeit, Freude, Laufenlassen. Deshalb soll das Ganze hier nicht Challenge heißen, sondern: Frau Hedi multiplizieren. Denn Frau Hedi multiplizieren heißt: Freude vervielfältigen. Also: Wenn Ihr ein Stichwort oder einen sogenannten Hashtag verwenden mögt, dann diesen: #frauhedimultiplizieren.

Die Musikszene unterstützen

Das Ganze ist natürlich ein hübscher Versuch. Teilt diesen Beitrag gerne und sagt es allen weiter. Mal sehen, ob jemand mitmacht.  Aber ich freue mich jetzt schon auf jeden einzelnen Beitrag — als Überbrückung, bis wir uns alle in der Realität wiedersehen. Mit Bier in der Hand und Seegang im Herzen.

Diese Aktion hat aber auch einen ernsten Hintergrund: Viele Hamburger Musikclubs, darunter auch Frau Hedi, sowie zahlreiche DJs, Musikerinnen und Musiker, Bands, Technikerinnen, Booker, Veranstalterinnen und andere Akteure aus der Popbranche sind vom Corona-Shutdown in ihrer Existenz bedroht. Lasst uns zeigen, dass dieses freiheitliche Leben in Clubs und Bars, auf Konzerten und Festivals nicht wie selbstverständlich aus unserem Leben verschwunden ist. Und wenn Ihr ein paar Euro auf Eurem Konto übrig haben solltet, dann spendet gerne, zum Beispiel hier: 

Hedi-Soli-Ticket
S.O.S. — Save Our Sounds: Spendenaktion der Clubstiftung
Support your local musician — Spendenaktion RockCity Hamburg

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