Laut sein, klug sein: Releasekonzert von Leto im Hafenklang

Leto, Punk, Postpunk, Band, Label, Rookie Records, Goldener Salon, Hafenklang, Hamburg

In diesen Tagen ist es wichtig laut zu sein. Lauter. Aber auch klüger. Empathischer. Musik kann ein Beitrag dazu sein. Sie kann anregen und auffordern. Wie zum Beispiel der Song „Karma“, den die Hamburger Postpunkband Leto bei ihrem Albumreleasekonzert im Hamburger Hafenklang spielt. Die Nummer basiert auf einem Erlebnis in einem Regionalzug, in dem die Musiker Zeuge von rassistischen Kommentaren wurden.

Verwirrung und Anspannung, Ohnmacht und Wut hat das Quartett in ein Stück von presslufthammerartiger Intensität verpackt. Dazu die Zeilen: „Die Welt geht vor die Hunde / Ich würd ja helfen, nur nicht heute / Ich kann es nicht mehr schlucken / Mich nicht mehr weiter ducken / Jedes Wort ein Schlag / Life hits me hard, life hits me hard“.

Klar, es ist „nur ein Lied“. Aber ich bin an diesem Abend froh um dieses Ventil. Ich bin dankbar für den Goldenen Salon, diesen bunten Ort, der seine Besucher im wahrsten Sinne des Wortes zusammenschweißt. Stufe für Stufe, die ich zum Club hinauf steige, erhöht sich die Wärme, die Dichte an Aufklebern an den Wänden, die Intensität des Sounds.

Zweieinhalb Jahre hat Leto am Debüt „Vor die Hunde“ gearbeitet

Die Stimmung unter der Discokugel ist familiär. Zweieinhalb Jahre hat Leto an dem Debütalbum „Vor die Hunde“ gearbeitet. Sänger und Gitarrist Jannes spricht und winkt so honigkuchenglücklich in den Saal, dass es ein herrlicher Kontrast ist zur Wucht der Musik. Die Nummern von Leto preschen melodiös geradeaus, getrieben vom Berserkerbeat von Schlagzeuger Pascal. Mitunter gibt es Breaks in den Songs, die eine tolle Spannung aufbauen. Davon hätte ich mir noch ein paar mehr gewünscht. Schön vielschichtig gepackt werde ich wiederum, wenn Jannes sowie Bassist Paul und Gitarrist Phill sich alle drei an die Mikros klemmen und mehrstimmig singen. Diese versierte Energie überträgt sich alsbald auch auf das Publikum, das näherrückt, tanzt, mitsingt.

Nach der Show fällt sich die Band in die Arme, was noch einmal unterstreicht, wie besonders und verbindend dieser Moment ist. Im Anschluss dann schweiß- und endorphinüberströmt runter von der Bühne und hin zu den Plattenfirmeneltern Anne und Jürgen von Rookie Records, die Leto unter Vertrag genommen haben. Dieses hoch sympathische Label feiert übrigens am 10. November seinen 22. Geburtstag. Ebenfalls im Goldenen Salon des Hafenklangs. Erneut eine gute Gelegenheit, laut zu sein. Miteinander.

Leto live: Do 20.9., 20 Uhr, im Grünen Jäger beim „Reeperbahn Festival“

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